Bali, die faszinierende Insel in Indonesien, steht derzeit wegen des zunehmenden Übertourismus in der Kritik. Trotz ihrer anhaltenden Popularität als Urlaubsziel sind die übermäßigen Besucherzahlen für die Region problematisch. Im Jahr 2023 zählte Bali etwa 5,3 Millionen internationale Touristen, mit einem prognostizierten Anstieg auf 6,5 Millionen im Jahr 2025. Diese Zunahme geht jedoch nicht ohne Konsequenzen: Jährlich verliert die Insel rund 1.000 Hektar Ackerland durch den Bau neuer Hotels und Resorts, während beliebte Orte wie Ubud, Seminyak und Kuta ihre frühere Ruhe verloren haben. Auch Berichte über aggressives Verhalten von Touristen und eine respektlose Haltung gegenüber der lokalen Kultur verstärken die Probleme.
Die Reisterrassen von Tegalalang und die Elefantenhöhle von Goa Gajah sind nur einige der beliebten Attraktionen, die unter der Masse der Besucher leiden.

In diesem Kontext hat der Reiseanbieter Evaneos reagiert, indem er acht überfüllte Orte in Bali aus seiner Werbung entfernt. Laurent de Chorivit, Co-Chef von Evaneos, betont die Notwendigkeit, den Tourismus aktiv zu verändern, um das Urlaubserlebnis zu verbessern. Er verweist auf Maßnahmen, die in anderen touristischen Städten wie Venedig und Dubrovnik erfolgreich umgesetzt wurden, um die Besucherströme zu regulieren. Während der Sommermonate 2023 stoppte Evaneos bereits den Verkauf von Reisen zu stark frequentierten griechischen Inseln, um der Überfüllung entgegenzuwirken.
Die Insel sieht sich nicht nur mit dem Problemen von Touristenmassen konfrontiert, sondern auch mit Verkehrsstörungen und einer gravierenden Müllproblematik.

Ressourcenschutz und touristische Erneuerung

Evaneos hat sich der Initiative Indonesia360 angeschlossen, die darauf abzielt, die Besucherzahlen an gefährdeten Orten in Indonesien zu halbieren. Der Übertourismus-Index des Unternehmens bewertete Bali mit 4,2. De Chorivit wünscht sich, dass Reisende weniger, dafür länger an einem Ort bleiben, um Emissionen zu reduzieren und umweltbewusster zu reisen. Er selbst hat kürzlich Urlaub in Tunesien gemacht, um die Vorzüge eines authentischen Reiserlebnisses ohne lange Anreisen zu genießen.

Die dringende Forderung nach einer Umkehr im Tourismusmanagement findet auch in den Reaktionen der lokalen Bevölkerung Unterstützung. Mit einer geplanten Touristensteuer von 150.000 Rupiah, die ab Februar 2024 in Kraft treten soll, hofft Bali, Einnahmen zur Verbesserung des Tourismusmanagements und zur Unterstützung lokaler Entwicklungsprojekte zu generieren.
Laurent de Chorivit hebt hervor, dass die Problematik des Übertourismus nicht allein an der Gesamtzahl der Touristen liegt, sondern an der Konzentration an bestimmten Orten und Zeiten.

Zur Förderung eines nachhaltigeren Tourismus sind ebenso Maßnahmen zur Bildung der Touristen notwendig. Es wird empfohlen, Programme zur kulturellen Sensibilität einzuführen, um die respektvolle Interaktion mit der lokalen Bevölkerung zu fördern. Der geplante Bau eines neuen internationalen Flughafens in Nordbali, der 2027 beginnen soll, könnte zudem Auswirkungen auf den touristischen Ansturm in den überfüllten Regionen haben.
Die Hoffnung bleibt, dass ein verantwortungsvollerer Tourismus auch weniger besuchte Gegenden wie Sidemen und Munduk belebt und so der Verlust der einzigartigen balinesischen Kultur und Umwelt gestoppt wird.