Die Herausforderungen des Klimawandels und die zunehmende Digitalisierung prägen den Tourismussektor maßgeblich. Ein Bericht über die Veränderungen in den Reisegewohnheiten zeigt den Aufstieg der „Coolcation“ als neue Urlaubstrend. Stefan Gössling, ein anerkannter Tourismusforscher von der Universität Lund, erklärt, dass immer mehr Reisende kühle Destinationen bevorzugen, um der Hitze in traditionellen Urlaubszielen wie Italien zu entkommen. Trotz extremer Sommertemperaturen – beispielsweise erreichte Italien 2025 bis zu 47 Grad – gibt es jedoch keine signifikante Abkehr von beliebten Zielen wie den italienischen Küsten.

Die kulturellen und preislichen Unterschiede zwischen Ländern wie Italien und Schweden haben maßgeblichen Einfluss auf die Reiseentscheidungen. So bietet Schweden, als Vorreiter in der Bewerbung von kühleren Reisezielen, durch seine vielen Seen und Rückzugsorte eine attraktive alternative zu den überhitzten Stränden Südeuropas. Angesichts steigender Temperaturen und häufigeren extremen Wetterereignissen sehen Experten wie Gössling keine klaren „Safe Havens“ in Europa, da viele Gebiete unter klimatischen Veränderungen leiden.

Coolcations und Klimatourismus

Der Begriff „Coolcation“, von der schwedischen Tourismusagentur „Visit Sweden“ eingeführt, beschreibt diese Entwicklung. Skandinavien zieht zunehmend „Klimatouristen“ an, die das gemäßigte Klima vorziehen. Während die Touristenzahlen in nördlichen Regionen steigen – so wird vom Gletscher Nigardsbreen in Norwegen berichtet, wo sich Touristen trotz warmer Sommerwetter anziehen lassen – klagen südliche Regionen über Rückgänge. Die EU-Studie, die das touristische Verhalten in 269 europäischen Regionen untersucht, belegt diesen Trend deutlich: Nördliche Gebiete profitieren, während südeuropäische Länder leiden.

Touristenberichte bestätigen das wachsende Interesse an schwedischen Campingplätzen, wo Betreiber einen Anstieg ausländischer Gäste um 20 Prozent verzeichnen. Der Genuss kühler Temperaturen zieht Reisende wie Karin und Janek Struwe aus Brandenburg an, die von den extremen Bedingungen im Mittelmeerraum berichten.

Wirtschaftliche Auswirkungen des Klimawandels

Die wirtschaftlichen Konsequenzen des Klimawandels sind gravierend. Gössling schätzt, dass im letzten Jahr weltweit etwa 400 Milliarden Euro an Schäden im Tourismussektor entstanden sind, oft bedingt durch wetterbedingte Ereignisse. In Florida steigen die Kosten für Hotelversicherungen aufgrund von Sturmschäden, und Reisende sehen sich verpflichtet, Wetterversicherungen abzuschließen, um sich gegen mögliche Ausfälle abzusichern.

Ebenfalls bemerkenswert ist ein wachsender Druck auf kleinere Anbieter, die in der digitalen Ökonomie, also durch Plattformen wie Booking und Airbnb, zunehmend benachteiligt werden. Entgegen dieses Trends suchen aber nur etwa 5 Prozent der Reisenden aktiv nach nachhaltigen Alternativen, während die Mehrheit auf das beste Preis-Leistungs-Verhältnis fokussiert ist. Dabei rät Gössling, Flüge zu vermeiden, da sie die höchsten CO2-Emissionen verursachen.

Nachhaltigkeit und Anpassungsstrategien

Die Herausforderungen des Klimawandels bringen auch eine Notwendigkeit zur Anpassung mit sich. Norwegen gilt als Vorreiter in der Anpassung an klimatische Veränderungen im Tourismus, hat jedoch auch mit extremen Wetterereignissen zu kämpfen. In Dänemark wird Klimaneutralität angestrebt, was jedoch eine erhebliche Herausforderung darstellt, vor allem vor dem Hintergrund des wachsenden Tourismus.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, wird eine deutschlandweite, sektorenübergreifende Vulnerabilitätsanalyse durchgeführt, die auch den Tourismussektor umfasst. Ein klimainformationssystem soll Reiseverantwortlichen helfen, strategische Entscheidungen zu treffen und Risiken durch den Klimawandel zu identifizieren.

Insgesamt sind die Auswirkungen des Klimawandels und der digitalen Transformation auf den Tourismus unübersehbar. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Trends in den kommenden Jahren entwickeln werden, da die Nachfrage nach nachhaltigen Reisen weiterhin im Fokus stehen sollte, um die Schönheit und Vielfalt unserer Reiseziele langfristig zu bewahren.

Für weitere Informationen zu diesem Thema können die Berichte von FR und Tagesschau genutzt werden.