Die Kanarischen Inseln sind ein beliebtes Urlaubsziel für Deutsche, die die milden Temperaturen und die kurze Anreise schätzen. Allerdings warnen Experten für 2026 vor den gravierenden Folgen des Overtourism auf den Inseln. Die hohen Besucherzahlen belasten nicht nur den Alltag der Einheimischen, sondern auch die Naturräume. Probleme wie Staus, überfüllte Strände und Wohnungsmangel sind mittlerweile allgegenwärtig, und die Frustration der Bevölkerung wächst.
Der deutsche Tourismus hat einen erheblichen Einfluss auf die Lebensbedingungen auf den Kanaren. Ferienapartments erweisen sich für Eigentümer oft als lukrativer als reguläre Mieten, weshalb viele Einheimische aus ihren Küstenorten verdrängt werden. Es ist eine Herausforderung für viele Beschäftigte, etwa in Hotels oder Krankenhäusern, welche keine bezahlbaren Wohnungen in der Nähe finden können. Die überlastete Infrastruktur zeigt sich in engstufigen Straßen, unzureichenden Busverbindungen und Problemen bei der Wasserversorgung.
Überfüllung und Proteste
Urlauber erfahren zunehmend Unannehmlichkeiten wie überfüllte Strände, Parkplatzprobleme und Einlasskontrollen an beliebten Aussichtspunkten. Zusätzlich ist die zunehmende Vermüllung und die Missachtung von Regeln in Schutzgebieten ein großes Anliegen. Deutsche Touristen sind besonders betroffen, da viele von ihnen häufig zurückkehren. Medien empfehlen daher, für 2026 alternative Reisezeiten oder weniger überlaufene Regionen in Betracht zu ziehen.
Die Problematik des Massentourismus ist auch für Einheimische von essenzieller Bedeutung. Toni Ferrera, ein Reporter von „Canarias Ahora“, berichtet über die Lebensbedingungen in der Region. Beispielsweise lebt der Rettungsschwimmer Juan, 53 Jahre alt, in einer Wellblechhutsiedlung und verdient lediglich 1000 Euro monatlich. Dies verdeutlicht die Diskrepanz zwischen den Arbeitsplätzen, die durch den Tourismus entstehen, und den oft unzureichenden Gehältern zur Deckung der Lebenshaltungskosten. Der Präsident der Fundación Canaria Tamaimos, José Miguel Martín, hebt die Unzufriedenheit in der Gesellschaft hervor, die seit dem Ende der Pandemie zugenommen hat.
Proteste und Forderungen
Am 20. April demonstrierten knapp 60.000 Menschen auf den Kanaren gegen die aktuellen Bedingungen im Tourismussektor. Die Protestierenden forderten ein Moratorium für das Wachstum des Sektors, um die Grenzen der Inseln zu analysieren und ein Umdenken in der Tourismuspolitik anzustoßen. Widerstand gegen touristische Großprojekte, insbesondere am Strand von La Tejita auf Teneriffa, zeigt sich deutlich. Sechs Aktivisten traten sogar in einen unbefristeten Hungerstreik.
Der kanarische Hoteliersverband Ashotel plädiert dafür, die Qualität des Angebots anstelle eines weiteren Wachstums zu verbessern. Fernando Clavijo, Präsident der regionalen Regierung, zeigt zwar Verständnis für die Proteste, vermeidet jedoch konkrete Zusagen. Wichtige Forderungen der Protestierenden, darunter die Einführung einer Touristensteuer, wurden im Regional-Parlament abgelehnt.
Insgesamt ist der Tourismus für die Kanarischen Inseln von großer wirtschaftlicher Bedeutung: Im Jahr 2022 besuchten über 16 Millionen Touristen die Inseln und gaben mehr als 20 Milliarden Euro aus, was etwa 40% der Wirtschaftsleistung ausmacht. Dennoch zeigt sich, dass etwa jeder dritte Bewohner von Armut bedroht ist, während sich die Mietpreise in den letzten zehn Jahren verdoppelt haben, was den Mangel an bezahlbarem Wohnraum weiter verschärft.
Die Problematik des Massentourismus beschränkt sich nicht nur auf die Kanaren. Auch auf den Balearen, insbesondere Mallorca, finden Proteste gegen ähnliche Missstände statt. Die Protestbewegung scheint in den kommenden Monaten weiterhin aktiv zu bleiben, während die Menschen für ein Umdenken im Umgang mit den Ressourcen und der Umwelt kämpfen.
baden24 und DW berichten über die vielfältigen Herausforderungen, die der Massentourismus mit sich bringt.