Reise-Influencer, die sich politisch radikalisieren und rechtsextreme Ideologien verbreiten, sind zunehmend in den sozialen Medien präsent. Besonders prägnant zeigt sich dies am Beispiel des südafrikanischen Influencers Kurt Caz, der mit über vier Millionen Followern auf YouTube eine hohe Reichweite erzielt. Caz produziert Vlogs, die oftmals in gefährlichen Stadtvierteln gedreht werden und bedient sich einer Clickbait-Logik, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu gewinnen. Mit provokativer Sprache und Bildern entsteht eine Inszenierung als furchtloser Abenteurer, die speziell ein junges, männliches Publikum anspricht. So berichtet Belltower News, dass Caz‘ Videos häufig rassistische Dogwhistles und rechtsextreme Rhetorik beinhalten, die Migration negativ darstellen.
In einem seiner Videos thematisiert Caz das Frankfurter Bahnhofsviertel, bezeichnet es als „Zombieland“ und thematisiert Drogenkonsum und Armut. Solche Darstellungen stigmatisieren Arme und Migrant*innen und ignorieren die strukturellen Ursachen sozialer Probleme. Caz und sein Begleiter Fred nutzen nativistische und ethnopluralistische Sprachmuster, um Migration als Bedrohung darzustellen, und erzeugen damit ein Gefühl sozialer Ungerechtigkeit. Diese Darstellungen ziehen hohe Aufrufzahlen und positive Kommentare nach sich, die seine Rhetorik unterstützen.
Verbreitung rechtsextremer Inhalte
Die Subszene rechter Reise-Influencer ist international und hat ähnliche Akteure hervorgebracht, die reaktionäre Weltbilder verbreiten. Michelle Gollan ist eine weitere Influencerin, die rechtsextreme Positionen in einem lifestyle-orientierten Format präsentiert. Beide nutzen Authentizitätsversprechen und emotionale Ansprache, um ihre Ideologien zu verbreiten. Die Entwicklung ist besorgniserregend, denn rechtsextremistische Inhalte sind nicht nur auf Plattformen wie YouTube, sondern auch auf TikTok und Instagram weit verbreitet, wo sie ansprechend für Kinder und Jugendliche aufbereitet werden, wie die Bundeszentrale für politische Bildung berichtet.
In Schulen wird bereits vor einem Anstieg rechtsextremistischer Vorfälle gewarnt. Es besteht eine Verbindung zwischen den rechtsextremistischen Inhalten online und entsprechenden Handlungen in der realen Welt. Junge Menschen müssen lernen, solche Inhalte zu erkennen und angemessen damit umzugehen. Rechtsextreme nutzen Social Media strategisch, um ihre Ideologien zu verbreiten, indem sie Heimatverbundenheit und positive Emotionen vermitteln. Die Verbreitung von Desinformation geschieht häufig über vermeintlich seriöse Erklärvideos, die Angst und Hass schüren und zugleich Echokammern bilden.
Rechtsextremismus in der Jugendkultur
Die hohe Reichweite der rechtsextremen Partei AfD auf TikTok zeigt die Mobilisierung von Unterstützern zur Verbreitung ihrer Inhalte. Der TikTok-Algorithmus fördert emotionale und interaktive Inhalte, was besonders für Jugendliche anziehend ist. In einer Zeit, in der 2023 drei von fünf Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren TikTok nutzen, sind die Gefahren durch die Verbreitung extremistischer Botschaften gravierender denn je. Rechtsextreme bieten einfache Antworten auf komplexe gesellschaftliche Fragen und bedienen sich jugendaffiner Formate wie Memes.
Für eine effektive Prävention wird gefordert, dass Schulen Medienkompetenz fördern und Lehrkräfte in der Lage sind, Jugendlichen den kritischen Umgang mit Social Media zu vermitteln. Sensibilisierung für Themen wie Rassismus und Antisemitismus ist entscheidend, um Diskriminierung und Hass zu erkennen und zu bekämpfen. Initiativen zur Demokratieförderung und Deradikalisierung müssen verstärkt werden, um den wachsenden Einfluss rechtsextremer Ideologien in den sozialen Medien zu begegnen.