Die Schwarzwald-Tourismus GmbH steht wegen ihres KI-Chatbots „Schwarzwald-Marie“ in der Kritik. Der Chatbot, der Urlaubern helfen soll, gibt jedoch oft unzuverlässige Antworten und ist für einfache Fragen, wie etwa zur Höhe des Freiburger Münsters, nicht in der Lage, eine präzise Antwort zu liefern. Trotz einer Gesamtinvestition von über einer Million Euro, die für den Chatbot und ein umfassendes Marketing-Paket genutzt werden sollte, bleibt die Qualität der angebotenen Informationen fragwürdig. Laut einer Analyse belaufen sich die Kosten für die Entwicklung allein des Chatbots auf etwa 216.000 Euro, was von Kritikern, wie dem KI-Entwickler Bernd Bartolome, als unzureichend für eine zukunftsfähige KI-Anwendung eingestuft wird. Bartolome hat eine eigene KI-Anwendung für lediglich 10.000 Euro entwickelt.

Das Wirtschaftsministerium hat für die Entwicklung der Schwarzwald-Marie Fördergelder in sechsstelliger Höhe bereitgestellt. Dennoch gibt esBedenken bezüglich möglicher Interessenkonflikte, da die Agentur, die maßgeblich an der Entwicklung beteiligt ist, von der Lebensgefährtin des STG-Geschäftsführers, Hansjörg Mair, geleitet wird. Auch wenn eine Sonderprüfung den Filzverdacht entkräftete, plant man schärfere Regeln zur Vermeidung solcher Konflikte in der Zukunft. Diese Situation hat zu Spannungen zwischen Bartolome und der Schwarzwald-Tourismus GmbH geführt, insbesondere da die STG ein Update-Angebot abgelehnt hat.

Kritik an der KI-Implementierung

Die Kritiker werfen der Schwarzwald Tourismus GmbH vor, Steuergelder für eine unzureichend entwickelte Technologie auszugeben. Ein mehrseitiges Fehlerprotokoll wurde erstellt, um die Mängel des Chatbots zu dokumentieren. Zusätzlich sieht sich das Unternehmen angesichts interner Prüfungen der Entwicklung und des Einsatzes von Fördermitteln verstärkter Kontrolle ausgesetzt. Ein FDP-Abgeordneter stellte eine Landtagsanfrage, um die Förderkonditionen sowie Jury-Entscheidungen bei der Vergabe von Finanzhilfen zu hinterfragen.

Die Schwarzwald-Marie hat sich noch nicht als effektive Hilfe für Touristen bewährt. Besondere Bedenken gelten der fehlenden Datenbasis, die für eine leistungsstarke KI erforderlich ist. Die Qualität von KI-Anwendungen im Tourismus ist nach Expertenmeinung stark von der Datenbasis abhängig. Während die Schwarzwald-Marie Schwierigkeiten bei der richtigen Beantwortung einfacher touristischer Anfragen hat, wird die Remstal-Lisa, ein Chatbot des Remstal-Tourismusvereins, als deutlich leistungsfähiger wahrgenommen.

Ausblick auf die Entwicklung

Der Geschäftsführer der Schwarzwald Tourismus GmbH, Hansjörg Mair, verteidigt die Investition damit, dass diese für ein umfassendes Marketing-Paket und nicht ausschließlich für den Chatbot vorgesehen sei. Doch die Reputation der Schwarzwald-Marie ist bereits erheblich angekratzt. Eine umfassende Prüfung der Fördermittelverwendung durch das Wirtschaftsministerium steht noch aus und könnte weiteren Aufschluss über die Effektivität der eingesetzten Gelder geben.

In der Tourismusbranche ist der Einsatz von KI eine mögliche Lösung zur Effizienzsteigerung und zur individuellen Ansprache von Gästen. Dennoch ist die aktuelle Situation rund um die Schwarzwald-Marie ein Beispiel dafür, wie wichtig eine solide Datenbasis und hochwertige Softwareentwicklung im digitalen Zeitalter sind, um den Erwartungen der Nutzer gerecht zu werden. Künstliche Intelligenz könnte im Tourismus eine revolutionäre Rolle spielen, wenn sie richtig implementiert wird.

Für weitere Informationen verweisen wir auf die Berichterstattung von Stuttgarter Nachrichten und SWR Aktuell.