Südtirol hat in den letzten Jahren einen bemerkenswerten Anstieg des Tourismus erlebt, insbesondere während der Hochsaison. Die autonome Provinz im Norden Italiens sieht sich inzwischen mit überfüllten Bergdörfern und verstopften Verkehrswegen konfrontiert. Im Jahr 2022 wurden daher Maßnahmen beschlossen, um den Tourismus zu regulieren. Dazu gehörte ein Bettenstopp, der die Anzahl der Betten in Hotels und anderen Gästenunterkünften begrenzen sollte. Doch vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Lage könnte dieser Stopp nun gelockert werden. Dies sorgt für Kontroversen, da der Anstieg der Bettenzahl bis Anfang 2026 auf über 268.000 anstieg, trotz der bestehenden Regelung, berichtet Merkur.
Besonders betroffen von diesen Regelungen sind die 56 als strukturschwach geltenden Gemeinden in Südtirol. Diese Gemeinden könnten von der vorgeschlagenen Rahmenfristverlängerung bis 2031 profitieren, die von Tourismuslandesrat Luis Walcher ins Gespräch gebracht wurde. Kritiker, wie die Grüne Landtagsabgeordnete Madeleine Roher, warnen jedoch, dass die Liste der strukturschwachen Gemeinden größer ist als ursprünglich angegeben. Mehr als 10.000 Unterschriften wurden bereits gegen die Aufweichung des Bettenstopps eingereicht, was das hohe öffentliche Interesse an diesem Thema deutlich macht.
Tourismuszahlen und deutsche Urlauber
Im Jahr 2025 verzeichnete Südtirol 5,6 Millionen Gästeankünfte, ein Anstieg von nahezu 4 % im Vergleich zum Vorjahr. Deutsche Touristen stellten beinahe die Hälfte der Übernachtungen in der Region mit insgesamt 11,4 Millionen Übernachtungen. Angesichts internationaler Krisen wird damit gerechnet, dass die Anzahl der Urlauber weiter steigen könnte. Raffael Mooswalder, der Direktor des Südtiroler Hoteliers- und Gastwirteverbandes, prognostiziert eine mögliche Zunahme deutscher Touristen in den kommenden Monaten.
Um dem weiterhin wachsenden Bedürfnis nach touristischen Angeboten gerecht zu werden, plant die IDM Südtirol gezielte Kampagnen zur Förderung der Nebensaison. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf die Qualität des Angebots und eine nachhaltige Tourismusentwicklung gelegt. Dies wird insbesondere mit Datenanalysen und Marktrecherchen unterstützt, die auch aktuelle Trends im Tourismus berücksichtigen.
Umweltschutz und Infrastruktur
Die wachsende Zahl von Besuchern erfordert jedoch eine sorgsame Abwägung. Umweltschützer warnen vor den Grenzen des Tourismus und der Belastung der Infrastruktur, die in vielen Gebieten bereits an ihre Kapazitätsgrenzen stößt. In diesem Kontext wird die Südtiroler Landesregierung im März über die Zukunft der sogenannten Ausnahme-Gemeinden entscheiden und dabei möglicherweise die Weichen für die weitere Entwicklung des Tourismus in der Region stellen, wie ORF Südtirol berichtete.

