Der Verband unabhängiger selbstständiger Reisebüros (VUSR) steht vor der Möglichkeit, rechtliche Schritte gegen den Deutschen Reisesicherungsfonds (DRSF) einzuleiten. Auslöser hierfür ist ein aktuelles Urteil des Amtsgerichts Charlottenburg, das Provisionen im Kontext der Insolvenz von FTI als erstattungsfähig einstuft. Diese Entscheidung könnte als Präzedenzfall für ähnliche Rückzahlungsansprüche in der Branche dienen, was die VUSR-Vorsitzende Marija Linnhoff als Bestätigung der Verbandsposition interpretiert. Dies berichtet fvw.de.
Die Situation innerhalb der Reisebüros wird durch die anhaltenden Erstattungsprobleme verschärft. Vor allem in Deutschland gibt es nur wenig Fortschritt bei der Rückzahlung von Kundengeldern im Fall von FTI. Diese Problematik erstreckt sich auch nach Österreich, wo die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) darüber nachdenkt, den DRSF zu verklagen. Hintergrund sind ausstehende Rückzahlungen an Reisebüros, die im Rahmen des Agenturinkassos finanzielle Vorleistungen für ihre Kunden erbracht haben. Der DRSF hat in der Vergangenheit Anzahlungen nicht anerkannt, was zu finanziellen Engpässen in den betroffenen Büros führt. Laut touristik-aktuell.de habe die WKÖ bereits mehrere Gespräche mit dem DRSF sowie dem deutschen Bundesjustizministerium geführt, jedoch ohne den gewünschten Erfolg.
Rechtsstreit als letzte Option
Die WKÖ hat eine Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht, nachdem interne Gespräche nicht zu einer Lösung führten. Um die Klage vorzubereiten, hat die WKÖ die Reisebüros aufgefordert, bis zum 11. Februar relevante Fälle zu melden. Ein Beispiel verdeutlicht das Problem: Bei einer Pauschalreise im Wert von 5.000 Euro wurde vom Reisebüro eine Anzahlung von 1.000 Euro verlangt, während der Veranstalter 2.200 Euro für Flugtickets einzog. Daraus resultiert eine Vorleistung von 1.200 Euro, die das Reisebüro nun selbst tragen muss.
Nach Ablauf der Abgabefrist will der Fachverband die eingereichten Unterlagen prüfen und ein entsprechendes Aufforderungsschreiben an den DRSF verfassen. Die Entwicklungen zeigen, dass die Unsicherheiten im Zusammenhang mit der FTI-Insolvenz und den Forderungen an den DRSF das Vertrauen in die Reisewirtschaft weiter beeinträchtigen könnten.